Dienstag, 27. Mai 2014

Emotionalen Dampf ablassen

Tut mir Leid Leute, aber heute muss ich mal emotionalen Dampf ablassen.

Die letzte Zeit war sehr ermüdend und ein Spießenrutenlauf sondergleichen. Erst machte eine Studie die Runde, in der ein angeblicher Zusammenhang zwischen Autismus und Gewalttaten gesehen (oder besser suggeriert) werden sollte, dann kam die angebliche Autismus-Diagnose des Täters Elliot Rodgers, die er gar nicht hatte (aber immer noch fröhlich weiter von den Medien verbreitet wird).
So viel Hass und Ablehnung, wie nicht nur mir, sondern Autisten allgemein in den letzten Tagen entgegenschlug, muss erstmal verarbeitet werden. Von "da wird schon etwas dran sein, man hört ja immer öfter, dass Autisten zu Mordserien/Gewalttaten neigen" bis zu "Autisten gehören registriert und gechippt, nur um auf Nummer sicher zu gehen" war alles zu lesen und ich weiß gerade nicht, wie viel Zeit es benötigen wird, diesen Schaden wieder gut zu machen.
Ich bekomme viele Mails von Lesern, viele davon auch Autisten, die mir ihre Lebensgeschichten sowie Erfahrungen nach ihrem Outing erzählen, mal traurig, mal lustig, aber auch manchmal so schockierend, dass ich es gar nicht fassen kann und ich Schwierigkeiten habe, mich emotional zu distanzieren. Ich bin kein Psychologe, aber ich möchte helfen. Ich weiß leider oft nicht wie, außer zu sagen: Du bist nicht allein.

Ich werde tatsächlich häufiger (von Nicht-Autisten) gefragt, warum Autisten denn Angst hätten sich zu outen. Ein täglicher Blick in die Medien genügt, um die Antwort zu finden: diskriminierende Vergleiche, Klischees und schreckliche (meist faktisch falsche) Berichterstattungen, die natürlich beim Leser ihre Spuren hinterlassen und das Bild des "gemeinen Autisten" schüren.
Das gilt leider nicht nur für Autisten, sondern für Minderheiten allgemein. Es ist alles wie immer: es muss Sündenböcke geben. Die, die anders sind. Hat noch jemand einen
X-Men Flashback?

Nein, liebe Medien, Autismus macht niemanden zum Mörder. Und wenn wir es noch so laut herumschreien müssen, bis es auch der Letzte hört.

An dieser Stelle möchte ich mich aber auch bei den Journalisten bedanken, die ihre Arbeit gut machen, nicht auf effektvolle Überschriften à la "Schaut da, da sind die Monster" setzen, sondern wissenschaftlich fundierte Artikel liefern und aufklärerische Arbeit leisten. Danke! Von euch muss es noch viel mehr geben!

Dazu zwei schöne Beiträge von Autland Nürnberg und Autzeit.

Das verwendete Bild (ausnahmsweise nicht von mir) stammt von dieser Seite (free to use). 






1 Kommentar:

  1. Ich bin einfach nur sehr traurig, wie Menschen diesem Schema F einfach immer treudoof hinterher traben wie die Lämmchen. Was anders ist, ist erst mal schlecht? Wie wäre es denn mit, was anders ist, ist anders - vielleicht interessant? Spannend? Neu? Und ganz eventuell vielleicht sogar gut?
    Nein nein, das war schon immer so, das darf nie anders sein.

    Es tut mir immer wieder tief in der Seele weh, wenn andersartige Menschen so geschnitten und missachtet werden. Egal ob nun Autismus, sexuelle Gesinnung, körperliche Behinderung - Angehörigkeit irgendeiner Subkultur - ist ja gleich. Aber es ist immer das Gleiche "Iih, die sind nicht normal"
    Was ist schon normal? Langeweile, Stupidität, Stillstand.

    Ich, die ich für den flüchtigen Blick wohl inzwischen zum "Normalen" gehören zu scheine, schäme mich einfach nur und es tut mir leid. Ich fühle mich auch hilflos gegen so viel Ignoranz und verstehe einfach nicht die Angst, die bei anderen sofort aufflammt, wenn sie in Berührung mit "anormalen" Dingen kommen.

    Ich wünschte, ich könnte mehr tun.
    Was ist schon anders? Was ist normal? Wir alle sind doch einzelne Wesen... Ich begreife das nicht...

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